Das Lager Karkkamp in Raisdorf 1942

Am 30. Januar 1942 beantragte die DWK beim Landrat in Plön eine Schankkonzession für den Kantinenbetrieb im firmeneigenen "Wohnlager Raisdorf II am Rosenfelder Weg, welches sich z. Z. in der Fertigstellung befindet."[1] Hier sollten "ausser dem Lagerpersonal 275 ausländische Arbeiter untergebracht" werden. Der Raisdorfer Bürgermeister erläuterte dem Amtsvorsteher in Klausdorf am 11. Februar die Situation noch einmal: "Es handelt sich um das Lager an der Strasse nach Rosenfeld. Eine Kantine ist für das Lager notwendig, da das Gasthaus Schlüter für die Kriegszeit geschlossen und in erreichbarer Nähe keine Gelegenheit zum Einkauf von Getränken etc. vorhanden ist." Der Amtsvorsteher sah ebenfalls die Dringlichkeit der Kantinengenehmigung und gab wiederum dem Landrat am 21. Februar weitere Argumentationshilfe: "Das Lager liegt an der Straße nach Rosenfeld. Die dort liegende Gastwirtschaft ‚Rosenheim' ist z. Zt. wegen Einberufung des Ehemannes der Inhaberin und wegen Benutzung des Saales als Lagerraum für Militärgut geschlossen." Aus einem weiteren Schreiben des Bürgermeisters ist auch die genaue Grundbuchbezeichnung des Lagers bekannt: "Raisdorf, Band II, Blatt 3, Kartenblatt 4, Parzelle 33/11".

Das Lager Raisdorf II ist mit dem (später so genannten) Lager Karkkamp in Raisdorf identisch.[2] Es lag auf der nördlichen Seite des Rosenfelder Weges, des heutigen St.-Martins-Weges, genau gegenüber dem Hotel Rosenheim, dem früheren Gasthaus Schlüter. Das Gelände war 200 m lang, 60 m breit und damit 1,2 ha groß. Zur Unterbringung der ausländischen Arbeitskräfte waren drei Wohnbaracken mit einer Grundfläche von jeweils fast 500 qm errichtet worden.[3] Die Wirtschaftsbaracke, in der wohl auch die Kantine untergebracht war, hatte eine Länge von 33,15 m und eine Breite von 8,14 m. Die Sanitätsbaracke war ebenfalls 8,14 m breit, aber 37,8 m lang. Sie diente u.a zur Unterbringung einer Wachstube. Außerdem gab es auf dem teilweise mit Rundhölzern und Maschendraht eingezäunten Gelände noch den obligatorischen Feuerlöschteich, zwei Splitterschutzgräben und einen Beobachtungsturm. Die Leitung des Lagers hatte Adolf Kruse übernommen, der dort auch dauerhaft wohnte.[4]

In der unmittelbaren Nachkriegszeit dienten die Baracken überwiegend als Unterkünfte für Flüchtlinge und Vertriebene. Dies geht aus einer Grundrisszeichnung vom 15.Mai 1946 für die Genehmigung eines Kantinenbetriebes im Flüchtlingslager Karkkamp hervor.[5] Später wurde die Wirtschaftsbaracke des Lagers zu einer Kirche umfunktioniert und sogar mit einem Glockenturm versehen. Aus diesem Provisorium ist dann das heutige Kirchenzentrum auf der gegenüberliegenden Straßenseite neben dem Hotel Rosenheim entstanden.[6]

[Grundriss Lager Karkkamp 1941 im Archiv Raisdorf; Luftbild vom Lager Karkkamp und vom Hotel Rosenheim im Archiv Raisdorf]

Das "Ostarbeiter-Lager" Rosensee in Raisdorf 1943

Vom 16.November 1942 stammt eine Grundrisszeichnung zum "Ostarbeiter-Lager Rosensee" der Deutschen Werke Werft in Raisdorf. Laut Zeichnung lag es in 30 Meter Entfernung am Ufer der Schwentine und war mit einer zwei Meter hohen Einfriedigung umgeben. Außer zehn Wohnbaracken waren je eine Wirtschaftsbaracke, Krankenbaracke, Verwaltungsbaracke und Gerätebaracke sowie je zwei Waschbaracken und Aborte vorgesehen. Der Antrag auf Gewährung einer Schankkonzession für den Kantinenbetrieb "im Wohnlager Rosensee in Raisdorf" wurde aber erst am 2. Oktober 1943 gestellt. In demselben Schreiben der DWK an den Landrat in Plön wird weiterhin ausgesagt, dass das Lager sich z.Zt. noch in der Fertigstellung befinde und rund 500 ausländischen Arbeitern als Unterkunft dienen solle. Es ist also davon auszugehen, dass das Lager Rosensee zwar schon 1942 konkret geplant aber erst 1943 errichtet worden ist. Auf jeden Fall sollte die lagerinterne Kantine auch hier dazu dienen, "die Ausländer soviel wie möglich von den deutschen Volksgenossen fernzuhalten." Die Schankkonzession sollte nach Ansicht des Landrats an die Bedingung geknüpft sein, Getränke nur an die "ausländischen Gefolgschaftsmitglieder" auszugeben.[7] Die Leitung des Lagers hatte Willi Pichelmann aus Kiel-Ellerbek übernommen.[8]

Aufgrund der freundlichen Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung Raisdorf[9] ist es möglich geworden, das Lager Rosensee genauer zu lokalisieren: Es handelte sich um ein etwa 1,4 ha großes Eckgrundstück südlich der Schwentine, das auf 150 m Länge von der Straße "Zur Schwentine" und auf 127 m Länge von der Straße "An der Schwentine" begrenzt wurde. Heute befindet sich auf dem Gelände wieder ein Sportplatz, der "Jahnplatz".

[Grundriss Ostarbeiterlager Rosensee in Raisdorf vom 16.11.1942, LAS Abt.320 Plön, Nr.3223; Foto Lager Rosensee im Archiv Raisdorf]

Die Deutsche Werke Werft hat also neben dem Barackenlager Schwentinetal in Rastorf zwei weitere Objekte in der Nachbargemeinde Raisdorf betrieben. Nimmt man die Wohnlager in Wattenbek, Flintbek und Boksee hinzu, so ergeben sich sechs im Süden und Osten von Kiel geplante und fertiggestellte Unterkünfte für die zahlreichen Ausländer, die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges von der Werft angefordert wurden und in Kiel oder Friedrichsort in der Rüstungsproduktion Zwangsarbeit leisten mussten. Doch das sind noch nicht alle Lager der DWK außerhalb Kiels gewesen ........

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[1] LAS Abt.320 Plön, Nr.3223, gilt auch für die nachfolgenden Zitate.

[2] Im Archiv der Gemeinde Raisdorf befindet sich ein 1941 im Auftrag der DWK erstellter "Lageplan für das Wohnlager der Deutsche Werke Kiel A.G. in Raisdorf".

[3] Ebd., die Wohnbaracken waren 48,8 m lang und 10,2 m breit.

[4] Schreiben der Kieler Werkswohnungen GmbH vom 21.2.1948 an die DWK (LAS Abt.415, Nr.3424).

[5] LAS Abt.320 Plön, Nr.3224.

[6] Gemeindebrief der Kirchengemeinde St. Martin in Raisdorf, Pfingsten 2000, S.13 f. und Raisdorf - Eine Chronik mit Bildern aus Vergangenheit und Gegenwart, Hamburg 1988, S.59 ff.

[7] Alle Zitate stammen aus dem in LAS Abt.320 Plön, Nr.3223 überlieferten Schriftwechsel.

[8] Schreiben der Kieler Werkswohnungen GmbH vom 21.2.1948 an die DWK (LAS Abt.415, Nr.3424).

[9] Mein Dank gilt dem Leitenden Verwaltungsbeamten der Gemeinde Raisdorf, Herrn Hahn, für seine sehr engagierte Mithilfe.